
Prospekt der Orgel der Kathedrale „La Almudena“, Madrid
Der Prospektentwurf von Simon Platt
Die Cadereta (Rückpositiv)
Die Órgano Mayor
Blick aus dem Orgelinnern auf den Altar
Im klanglichen Konzept des Instruments wird versucht, eine Brücke zwischen der mitteleuropäischen Orgelbautradition bis zum Ende des 20. Jhd. und den herausragenden Leistungen des iberischen Orgelbaus, den wir im Rahmen zahlreicher Restaurierungen kennen lernen durften, zu schlagen.
Um einen würdevollen Rahmen sowohl für spezielle Anlässe als auch für die verschiedenen Anforderungen liturgischer Art zu erfüllen, ist die Orgel sehr vielseitig angelegt. Der durch die Raumgröße und Beschaffenheit der Wand- und Deckenflächen sehr schwierigen Akustik wurde mit einer besonderen klanglichen Präsenz begegnet.
Trotz seiner Größe handelt es sich um ein sehr empfindsam angelegtes Instrument, welches als ein gutes Kunstwerk ein Gleichgewicht zwischen allen seinen Teilen und Eigenschaften sucht. Mit 71 Registern präsentiert sich ein unerschöpfliches Kaleidoskop interpretativer Möglichkeiten.
Im Prospekt sind vier der fünf Werke durch Pfeifen repräsentiert. Damit wird die Funktion und Aussage der einzelnen Werke schon in der Ansicht des Instruments angedeutet (Werkprinzip).
Das Rückpositiv befindet sich direkt hinter dem Organisten. Es stellt somit in unmittelbarer Umgebung des Organisten ein hohes Maß an klanglicher Brillanz sowohl bei charakteristischen Solostimmen wie Traversflöte oder Cromorne, als auch begleitende Register zur Verfügung. Da es sich auf zwei Gehäuse verteilt, wird dem Spieler der Kontakt zu einem Chor oder einer Gruppe von Musikern erleichtert.
Das Hauptwerk im zentralen Teil des Gehäuses bildet das musikalische Rückgrat der Orgel. Es wird im Gehäuse durch den Prinzipal 16' und eine goldene Sonne repräsentiert.
Das Rezitativ/Schwellwerk ist unabkömmlich für die adäquate Darstellung romantischer Orgelliteratur. In ihm verbergen sich eine große Anzahl von Registern mit speziellen Farben und Obertönen, welche es zu einem Farbwerk werden lassen. Eingeschlossen in einem sehr wirkungsvollen Schwellgehäuse werden dem Organisten deutliche Lautstärke- und Klangan- und abschwellungen ermöglicht.
Im Trompeten- und Solowerk wird ein großes Ensemble spanischer Trompeten nach traditionell iberischer Zusammensetzung und Klanglichkeit und ein Cornett neben ein Gedeckt 8'und eine Flöte 4' gestellt, wodurch es nicht nur als beeindruckendes Solowerk sondern auch als begleitendes Werk benutzt werden kann. Die herausragende klangliche Präsenz dieses Werkes wird durch die im Prospekt angelegten horizontalen Zungenbecher verkörpert.
Das Pedal verbirgt sich in den beiden großen 16'-Feldern an den Seiten des Gehäuses und beherbergt verschiedenste Stimmen in 16' und 32' Lage. Außerdem verfügt es über einige Soloregister.
Auch im Zusammenhang mit der durch das Gebäude auferlegten Forderung nach klanglicher Präzision und Klarheit sind alle Werke mit direkter und hängender Mechanik ausgestattet worden. Obwohl alle Pfeifen direkt von den Windladen mit Wind versorgt werden, bleibt die Mechanik selbst beim Koppeln aller Manuale mit Sensibilität spielbar.
Nach der endgültigen Montage des Gehäuses und dem Anbringen seiner Bemalung wurde die Orgel in einer großzügig angelegten Intonationsphase dem Raum angepasst. Ziel war es, eine sehr energetische, nicht aber laute oder gar forcierte Klanglichkeit zu schaffen, welche selbst in der voll besetzten Kathedrale die hintersten Ecken des Raumes zu erreichen vermag.