
Die Schwalbennest- Orgel der Kathedrale zu Brüssel
Das große Instrument im schmalen Hauptschiff
Seitenriss der metallenen Tragstruktur
Die fertigmontierte Orgel mit der gesamten Belegschaft im Montagesaal
Weit überragen die Spanischen Trompeten den Spieltisch
Die 1997 zu einem Wettbewerb für dieses Projekt eingeladenen fünf internationalen Orgelbauer hatten sich mehreren schwierigen Ansprüchen des Auftraggebers zu stellen. Mit etwa 60 Registern auf vier Manualen sollte ein Kunstwerk des dritten Jahrtausends geschaffen werden, das sich behutsam in die feine gotische Architektur der Kathedrale einfügt und so wenig wie möglich in ihr schmales Hauptschiff hineinragen sollte.
Wir projektierten daraufhin ein auf der Höhe der Triforien im Hauptschiff aufgehängtes Instrument. Unsere Erfahrung in historischen Orgeln auf den Balearen in Valencia und Katalonien sowie die akustischen und gestalterischen Vorteile dieser Position ermutigten uns, diesen schwierigen Weg zu beschreiten.
Um aber die Eleganz und Feingliedrigkeit des gotischen Raums nicht zu stören, mussten wir nach einer sehr ausgeklügelten Lösung suchen, um eine Orgel unterzubringen, die mit ihrer hohen Registerzahl und vielen 16' und 32'-Registern einiges an Tiefe beansprucht. Deshalb ist das Werk auf drei Gehäusekörper und auf verschiedene Höhen verteilt. Das Gehäuse ragt dadurch nicht mehr als einen Meter in das nur 11m breite Hauptschiff hinein.
Anhand zahlreicher technischer Versuche, besonders für die innovative Pedaltraktur, statischer Erwägungen und in Zusammenarbeit mit dem Architekten Simon Platt, der den Gehäuseentwurf entwickelte, haben wir die endgültige Disposition und Gestalt festgelegt.
Die verantwortlichen Fachleute der Denkmalpflege stimmten dem Konzept zu und es konnte entschieden werden, dass die Orgel mittels einer inneren Metallstruktur vom Triforium aus aufgehängt werden würde.
Mit der in der Werkstatt fertig gestellten Orgel konnten wir am 4. und 5. März Organisten und Freunde zu einem "Tag der offenen Tür" und Einweihung unserer neuen Werkstatt einladen. Es kamen etwa 1000 Besucher, um in festlichem Ambiente über 30 Organisten aus Spanien, den USA, Frankreich, Japan, Portugal und natürlich Belgien zu hören.
Bald nach diesem besonderen Konzertereignis transportierten wir die einzelnen Module der Orgel in Lastwagen nach Brüssel. Dort wurden auf dem Boden der Kathedrale die einzelnen Module erst fertiggestellt und dann mit einem riesigen Kran eines nach dem anderen an seine endgültige Position gehoben und befestigt. Dank der Projektierung durch unseren Konstrukteur Jordi Andujar konnten so die bis zu drei Tonnen wiegenden Teile - im Fall von Pedal und Hauptwerk sogar einschließlich der großen Pfeifen - innerhalb kurzer Zeit in luftiger Höhe zueinander finden. Unsere innovative Technik ersparte uns lange, gefährliche Montagezeit und unserem Kunden Kosten für Hotel und Spesen.
An Christi Himmelfahrt, dem 1. Juni 2000, wurde die Orgel in einem feierlichen Akt geweiht; am 29. September konnte der Zyklus der Einweihungskonzerte beginnen.